Offen durch's Braunschweiger Land

Heinrichsbrunnen, Hagenmarkt, Braunschweig, 1874
Heinrichsbrunnen Braunschweig

Heinrich der Löwe

Aufstieg und Fall einer Dynastie

Heinrich III. von Sachsen, besser bekannt als Heinrich der Löwe, ist eine zentrale Figur in der Entstehung des Braunschweiger Landes. Er machte die heutige Stadt Braunschweig zu seinem Herrschaftssitz und förderte ihren Ausbau. Über die Jugend des späteren Herzogs von Sachsen und Bayern ist wenig bekannt. So ist das Jahr seiner Geburt nicht bekannt, ebenso wenig wie sein Geburtsort. 1129/1130 (Steterburger Chronik) oder 1133/35 (1135 als Jahr seiner Taufe ist bekannt) wurde Heinrich als Sohn von Heinrich dem Stolzen (*1102 oder 1108;†1139), Herzog von Bayern, und Gertrud von Süpplingenburg (*1115;†1143), Tochter des Königs Lothar III. (*um 1075;†1137), geboren. Um die bekannten Ereignisse im Leben von Heinrich dem Löwen besser verstehen zu können, muss man sich zunächst das Leben seiner Vorfahren anschauen. Das ist nicht immer einfach, da sowohl sein Vater als auch sein Großvater ebenfalls Heinrich hießen. Alle drei entstammten dem Geschlecht der Welfen, deren Stammsitz sich um 1100 auf der Veitsburg nahe dem heutigen Ravensburg in Oberschwaben befand.

Heinrich der Löwe
Herzog Heinrich der Löwe und Mathilde von England, Steinfiguren am Altstadtrathaus, Braunschweig, Altstadtmarkt 7, Figuren errichtet um 1455
Kaiser Lother III.
Kaiser Lothar III., Malerei am nördlichen Vierungspfeiler der Stiftskirche St. Peter und Paul, Königslutter, Vor dem Kaiserdom, besser bekannt als Kaiserdom Königslutter, Malerei ausgeführt durch den Hofmaler Adolf Quensen (*1851;†1911) um 1890
Heinrich der Stolze
Heinrich der Stolze, Vater von Heinrich dem Löwen, barocke Grabplatte im Kaiserdom Königslutter, geschaffen durch Michael Helwig (*1663;†1783), aufgestellt 1708

Der Großvater, Heinrich der Schwarze (*1075;†1126), war Herzog von Bayern und verstarb 1126 im Kloster Weingarten. Damit fiel die Herzogswürde an seinen ältesten Sohn, den Vater Heinrich des Löwen. Der Großvater war mit der Tochter des Sachsenherzogs Magnus, dessen Machtzentrum sich im Bereich des heutigen Lüneburgs befand und der das Geschlecht der Billunger vertrat, verheiratet. Herzog Magnus starb im Jahre 1106 und Heinrich der Schwarze machte sich berechtigte Hoffnungen auf die sächsische Herzogswürde. Doch anstatt dem Großvater das Herzogtum Sachsen zum Lehen zu geben, setzte König Heinrich V., aus dem Geschlecht der Staufer, den Grafen Lother von Süpplingenburg als neuen Herzog von Sachsen ein. Als Heinrich V. 1125 starb und ein neuer König gewählt werden musste, entschied sich Heinrich der Schwarze gegen den Kandidaten der Staufer, also gegen Friedrich II von Schwaben, obwohl dieser sein Schwiegersohn war. So wurde 1125 Lothar von Süpplingenburg zum deutschen König gewählt. Im Gegenzug organisierte der Großvater die Heirat seines ältesten Sohns mit der erst 12-jährigen Tochter des Königs (1127). Mit diesem Schachzug sicherte er den Welfen den Anspruch auf das Herzogtum Sachsen im Falle des Todes Lothar III. Als der Vater Heinrichs des Löwen, Heinrich der Stolze, heiratete, war der Großvater bereits verstorben. Als neuer Herzog von Bayern und Schwiegersohn unterstützte Heinrich der Stolze den König in den Auseinandersetzungen mit den Staufern, die nicht verhindern konnten, dass Lothar III. 1133 zum Kaiser gekrönt wurde. Als der Kaiser 1137 starb, ging das Kalkül des Großvaters auf und Heinrich der Stolze wurde Herzog von Bayern und Sachsen. Dem neu gewählten König, Konrad III., er kam wieder aus dem Geschlecht der Staufer, verweigerte Herzog Heinrich die Gefolgschaft. Als Folge verlor Heinrich der Stolze 1138 das Herzogtum Bayern an die Babenberger und das Herzogtum Sachsen an Albrecht den Bären aus dem Geschlecht der Askanier, die ihren Stammsitz in Ballenstedt hatten. Als der Vater von Heinrich dem Löwen 1139 in Quedlinburg starb, hinterließ er einem unmündigen Kind einen zersplitterten Machtbereich der sich im Wesentlichen um die heutigen Städte Braunschweig/Königslutter und Lüneburg konzentrierte. Die Erziehung des noch sehr jungen Heinrich III. lag in den Händen seiner Mutter Gertrud von Sachsen und vor allem der Frau Lothar III., Kaiserin Richenza. Gerade die Hausmacht um die Kaiserin sorgte dafür, dass sich Albrecht der Bär als Herzog von Sachsen nicht durchsetzen konnte.

Herzogtum Sachsen

1142 auf dem Hoftag in Frankfurt wurde schließlich ein Vergleich geschlossen, demnach dem jungen Heinrich wieder die Herzogswürde von Sachsen zugesprochen wurde, er dafür aber auf das Herzogtum Bayern verzichteten musste. Damit war allerdings der Konflikt zwischen den Welfen und Staufern noch nicht beigelegt. Auf dem Hoftag 1147 erhob Herzog Heinrich III. erneut seinen Anspruch auf das Herzogtum Bayern. Während der König von 1144 bis 1149 am "Zweiten Kreuzzug" teilnahm, beteiligte sich Heinrich am sogenannten "Wendenkreuzzug" 1147, bei dem er zusammen mit anderen weltlichen und geistlichen Heerführern unter dem Vorwand der "Christianisierung" versuchte Herrschaftsansprüche im Bereich des heutigen Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein zu sichern. Am Feldzug nahm auch der Herzog Konrad von Zähringen teil, dessen Tochter Clementia Heinrich 1148/49 heiratete. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor, von denen zwei jedoch schon im Kindesalter verstarben.

Braunschweiger Löwe
Braunschweiger Löwe,
Braunschweig, Burgplatz, um 1166

1152 verstarb König Konrad III.. Bei der Neuwahl entschieden sich die Fürsten seinen Neffen Herzog Friedrich III. von Schwaben zum neuen König zu wählen. Er war der Sohn Herzog Friedrichs II., dem erfolglosen staufischen Thronkandidaten von 1125. Heinrich III. unterstütze die Wahl Friedrichs III. zum König und begann eine intensive Zusammenarbeit mit dem neuen König. Diese Unterstützung erfolgte nicht uneigennützig, erhob Heinrich doch immer noch Erbansprüche auf das Herzogtum Bayern. Heinrich begleitete König Friedrich I. auf seinem ersten Italienzug 1154/55, an dessen Ende 1155 die Krönung Friedrichs I. zum Kaiser durch Papst Hadrian IV. stand (Kaiser Friedrich I. erhielt in der späteren Zeit den Beinahmen "Barbarossa"). 1156 wurde im "Privilegium minus" die Teilung des Herzogtums Bayern in die Herzogtümer Bayern und Österreich festgelegt. Heinrich erhielt das Herzogtum Bayern und der ehemalige östliche Teil des Herzogtums verblieb beim Geschlecht der Babenberger, die das Herzogtum Bayern 1138 durch König Konrad III. zugesprochen bekommen hatten. Das Jahr 1156 gilt somit als Gründungsjahr der heutigen Republik Österreich. In diesem Jahr tauchte im Zusammenhang mit seinem Namen zum ersten Mal als Zeichen seiner Willensstärke der Namenszusatz "der Löwe" auf - "creatum est ei nomen novum: Heinricus leo".